Mediation

Was ist Mediation und welche Vorteile bietet sie?

 

Mediation ist ein strukturiertes, informelles Verfahren der Konfliktlösung, bei dem ein neutraler Dritter (der Mediator) die Parteien dabei unterstützt, ihre Interessen und Bedürfnisse zu verstehen, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und eine Vereinbarung zu treffen, die für alle Beteiligten akzeptabel ist. Mediation kann in vielen verschiedenen Kontexten eingesetzt werden, wie z.B. in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Schule, in der Gemeinde und im Bereich des Handels und der Wirtschaft.

Im Gegensatz zum Gerichtsverfahren, bei dem ein Richter oder eine Jury eine Entscheidung trifft, versucht der Mediator nicht, eine Entscheidung zu treffen oder eine Schuld zuzuweisen. Stattdessen konzentriert sich die Mediation darauf, die Kommunikation zwischen den Parteien zu erleichtern, ihnen zu helfen, ihre Interessen und Bedürfnisse zu artikulieren und gemeinsam eine Lösung zu finden, die für alle Beteiligten akzeptabel ist.

Ein wichtiger Vorteil der Mediation ist, dass sie den Parteien ermöglicht, selbst eine Lösung für ihren Konflikt zu finden, anstatt sich auf eine Entscheidung eines Dritten zu verlassen. Mediation ist auch oft schneller und kosteneffektiver als ein Gerichtsverfahren und kann dazu beitragen, bestehende Beziehungen zwischen den Parteien zu erhalten und langfristige Beziehungen zwischen den Parteien aufzubauen. 


Mediation kann freiwillig oder von einer Gerichts- oder Regierungsbehörde angeordnet werden. Es ist wichtig zu beachten, dass Mediation nicht für jeden Konflikt geeignet ist und dass in einigen Fällen ein Gerichtsverfahren erforderlich sein kann. Es ist auch wichtig, einen qualifizierten und erfahrenen Mediator zu wählen, der über die notwendigen Fähigkeiten und Kenntnisse verfügt, um den Konflikt effektiv zu lösen. 

Mediation ist eine innovative Methode zur außergerichtlichen Beilegung von Konflikten. 

Wann wird Mediation gebraucht?

 

Die Mediation wird in verschiedenen Kontexten und Situationen eingesetzt, in denen Konflikte auftreten können. Hier sind einige typische Einsatzgebiete für Mediation:

  1. Arbeitsplatzkonflikte: Mediation wird häufig eingesetzt, um Konflikte zwischen Mitarbeitern, zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten oder innerhalb von Teams am Arbeitsplatz zu lösen. Dies kann Konflikte über Aufgabenverteilung, Arbeitsstil, Kommunikation, Hierarchie oder andere arbeitsbezogene Probleme umfassen.
  2. Familienmediation: In Familienangelegenheiten wie Scheidung, Sorgerecht für Kinder, Erbstreitigkeiten oder Konflikte zwischen Familienmitgliedern kann Mediation eingesetzt werden, um eine friedliche und faire Lösung zu finden, die die Bedürfnisse aller Beteiligten berücksichtigt.
  3. Nachbarschaftskonflikte: Mediation wird verwendet, um Konflikte zwischen Nachbarn zu lösen, z.B. über Lärm, Grenzstreitigkeiten, Haustiere oder andere Probleme, die das Zusammenleben beeinträchtigen können.
  4. Gemeinschaftsmediation: In Gemeinschaften oder Gruppen können Konflikte auftreten, die sich auf gemeinsame Ressourcen, Entscheidungsfindung oder soziale Interaktionen beziehen. Mediation kann helfen, diese Konflikte zu lösen und die Zusammenarbeit innerhalb der Gemeinschaft zu stärken.
  5. Wirtschaftsmediation: Bei Geschäfts- und Handelskonflikten, wie Vertragsstreitigkeiten, Lieferantenkrisen oder Streitigkeiten zwischen Unternehmen und Kunden, kann Mediation dazu beitragen, kostspielige und zeitaufwändige Gerichtsverfahren zu vermeiden und eine schnellere Lösung zu finden.
  6. Schulmediation: Mediation wird in Schulen eingesetzt, um Konflikte zwischen Schülern, Lehrern, Eltern oder anderen Mitgliedern der Schulgemeinschaft zu lösen. Dies kann Mobbing, Disziplinprobleme, Streitigkeiten über Noten oder andere schulbezogene Angelegenheiten umfassen.
  7. Öffentliche Konflikte: In öffentlichen Angelegenheiten, wie Stadtplanung, Umweltschutz, politischen Diskussionen oder Bürgerprotesten, kann Mediation verwendet werden, um unterschiedliche Standpunkte zu versöhnen und gemeinsame Lösungen zu finden, die die Interessen der Gemeinschaft berücksichtigen.


Diese Einsatzgebiete zeigen die Vielseitigkeit und Wirksamkeit der Mediation als Instrument zur Konfliktlösung in verschiedenen Lebensbereichen und Situationen. 

Wie läuft eine Mediation ab?

 

  1. Einführung: Die Mediation beginnt mit einer Einführungsphase, in der Mediator den Beteiligten den Ablauf und die Prinzipien der Mediation erläutert und eine Vertrauensbasis schafft. Die Parteien haben die Möglichkeit, sich selbst vorzustellen und ihre Erwartungen und Ziele für die Mediation zu äußern. Abgeschlossen wird diese Phase mit dem Abschluss eines Mediationsvertrages.
  2. Themensammlung: In dieser Phase werden zunächst  alle Konfliktthemen, die zur Klärung der Konflikts notwendig sind, gesammelt und eine Reihenfolge zur Bearbeitung dieser Themen vereinbart.
  3. Interessenklärung: Im nächsten Schritt geht es nun darum, die Positionen der Parteien zu den jeweiligen Themen zu klären und die dahinterliegenden Interessen und Bedürfnisse der Parteien zu erörtern. Jede Partei hat dabei die Möglichkeit, ihre Sichtweise darzulegen und ihre Anliegen ausführlich zu erklären. Der Mediator oder die Mediatorin stellt gezielte Fragen, um ein besseres Verständnis für den Konflikt zu gewinnen.
  4. Lösungsentwicklung: Nachdem alle Probleme und Interessen identifiziert wurden, konzentriert sich die Mediation auf die Entwicklung von Lösungen. Die Parteien werden ermutigt, gemeinsam Optionen zu generieren und alternative Lösungsansätze zu diskutieren. Der Mediator oder die Mediatorin unterstützt den Prozess, indem er bei der Kreativität und dem Perspektivwechsel hilft.
  5. Vereinbarung: In dieser Phase werden die entwickelten Lösungsoptionen bewertet und verhandelt, um zu einer Einigung zu gelangen. Wichtig dabei ist, dass mit Vereinbarung alle Interessen und Bedürfnisse der Parteien berücksichtigt werden.  Der Mediator oder hilft dabei, den Prozess fair und ausgewogen zu gestalten.
  6. Abschluss: Wenn die Parteien eine Einigung erzielt haben, wird diese schriftlich festgehalten und von allen Beteiligten unterzeichnet. Diese Vereinbarung bildet die Grundlage für die zukünftige Zusammenarbeit und ist rechtlich bindend. Der Mediator kann auch Empfehlungen für weitere Maßnahmen oder Nachbetreuung aussprechen.


Es ist wichtig anzumerken, dass dieser Ablauf flexibel ist und den Bedürfnissen der Parteien angepasst werden kann. Der Mediator kann je nach Situation und Dynamik des Konflikts den Prozess individuell anpassen, um die besten Ergebnisse zu erzielen. 

Welche Regeln gibt es in einer Mediation?


In einer Mediation gibt es bestimmte Regeln und Prinzipien, die den Ablauf und die Dynamik des Verfahrens unterstützen. Diese Regeln tragen dazu bei, eine respektvolle und konstruktive Umgebung zu schaffen, in der die Parteien gemeinsam an der Lösung ihres Konflikts arbeiten können. Hier sind einige wichtige Regeln in der Mediation: 

  1. Freiwillige Teilnahme: Die Teilnahme an der Mediation ist freiwillig, und alle Parteien müssen einverstanden sein, den Mediationsprozess fortzusetzen. Niemand kann zur Teilnahme gezwungen werden.
  2. Vertraulichkeit: Der Mediationsprozess basiert auf Vertraulichkeit. Alle Informationen, die während der Mediation ausgetauscht werden, sind vertraulich und dürfen nicht außerhalb des Mediationsverfahrens offenbart werden, es sei denn, alle Parteien stimmen ausdrücklich zu oder es besteht eine gesetzliche Offenbarungspflicht.
  3. Neutralität und Unparteilichkeit: Der Mediator oder die Mediatorin muss neutral und unparteiisch sein. Sie oder er sollte keine persönlichen Interessen am Ausgang des Konflikts haben und nicht einseitig für eine Partei Partei ergreifen.
  4. Freie Kommunikation: Die Parteien haben das Recht, ihre Standpunkte frei und offen zu äußern. Die Kommunikation sollte respektvoll und konstruktiv sein, und die Parteien sollten aktiv zuhören und die Perspektive der anderen Partei berücksichtigen.
  5. Eigenverantwortung: Die Parteien sind für ihre eigenen Entscheidungen und Vereinbarungen verantwortlich. Der Mediator oder die Mediatorin unterstützt und erleichtert den Prozess, trifft jedoch keine Entscheidungen für die Parteien.
  6. Kreativität und Flexibilität: Die Mediation ermutigt die Parteien, kreative Lösungen zu entwickeln, die ihren individuellen Bedürfnissen und Interessen gerecht werden. Es gibt keine vorgefertigten Lösungen, und die Parteien können flexible Vereinbarungen treffen, die außerhalb der strengen rechtlichen Rahmenbedingungen liegen.
  7. Fairness und Gleichbehandlung: Alle Parteien sollten fair behandelt werden, und die Mediation sollte auf Ausgleich und Fairness abzielen. Der Mediator oder die Mediatorin sollte sicherstellen, dass jede Partei die Möglichkeit hat, ihre Anliegen zu äußern und gehört zu werden.


Diese Regeln dienen dazu, einen strukturierten und respektvollen Rahmen für die Mediation zu schaffen. Sie helfen den Parteien, gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten und den Konflikt auf konstruktive Weise zu bewältigen. 

Wie ist der Umgang mit Rechtsfragen?


In einer Mediation können auch Rechtsfragen eine Rolle spielen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Mediatoren in der Regel keine Rechtsberatung anbieten und keine rechtlichen Entscheidungen treffen können. Ihre Aufgabe besteht darin, den Kommunikationsprozess zwischen den Parteien zu unterstützen und ihnen zu helfen, gemeinsame Lösungen zu finden.

Während einer Mediation können verschiedene Rechtsfragen aufkommen, die im Zusammenhang mit dem Konflikt stehen. Dies können Fragen des Vertragsrechts, des Familienrechts, des Arbeitsrechts, des Mietrechts oder anderer rechtlicher Aspekte sein, je nach Art des Konflikts.

Es ist möglich, dass die Parteien während der Mediation ihre eigenen Rechtsanwälte hinzuziehen, um spezifische rechtliche Fragen zu klären oder um rechtliche Beratung zu erhalten. Die Anwälte können als Berater oder Unterstützer der Parteien fungieren und ihnen bei der Bewertung von Lösungsoptionen helfen, die mit ihren rechtlichen Rechten und Pflichten im Einklang stehen.

In einigen Mediationen kann es auch sinnvoll sein, einen rechtlichen Experte oder Gutachter hinzuzuziehen, um spezifische Fragen zu klären, die eine fachliche Einschätzung erfordern. Der Mediator kann die Parteien bei Bedarf auf die Möglichkeit der Hinzuziehung eines solchen Experten hinweisen.

Es ist wichtig zu betonen, dass die Parteien in einer Mediation letztendlich selbst die Kontrolle über die Lösung des Konflikts haben. Sie können ihre eigenen Entscheidungen treffen und Vereinbarungen treffen, die ihren individuellen Bedürfnissen und Interessen entsprechen. Es wird empfohlen, dass die Parteien bei Bedarf unabhängige rechtliche Beratung einholen, um sicherzustellen, dass sie die rechtlichen Auswirkungen ihrer Entscheidungen verstehen. 

Wie lange dauert eine Mediation?

 

Die Dauer einer Mediation hängt von verschiedenen Faktoren ab. Sie wird bestimmt durch die Komplexität der Themen und Beziehungen, die Anzahl der Beteiligten, die Kooperation der Konfliktparteien sowie die Bereitschaft der Parteien, eine gemeinsame Lösung zu suchen. Demnach haben es die Parteien selbst in der Hand, durch konstruktive Mitarbeit zu einer raschen und damit auch kostengünstigen Einigung zu kommen.
 
 Die Dauer der jeweiligen Sitzungen wird von den Parteien bestimmt. Üblich sind Sitzungen mit einer Netto-Dauer von 2 - 6 Stunden. 

Wie und wo wird die Mediation durchgeführt?


Die Mediation wir regelmäßig in Präsenz, also in persönlicher Anwesenheit der Partein zusammen mit dem Mediator durchgeführt werden.
 
 Konkret findet die Mediation an dem Ort statt, den die Parteien im Einvernehmen mit dem Mediator vereinbaren. Das können Räumlichkeiten beim Mediator, aber auch Örtlichkeiten außerhalb davon sein. Dabei gilt jedoch, dass die Mediation am gewählten Ort störungsfrei verlaufen kann und die Regeln der Vertraulichkeit gewährleistet sind. Die Durchführung einer Mediation außerhalb der Räumlichkeiten beim Mediator kann mit zusätzlichen Kosten (Raummiete, Tagungspauschalen, Fahrtkosten, Reisezeiten und Übernachtungskosten) verbunden sein.
  

Auf Wunsch der Medianden kann die Mediation zudem auch ganz oder teilweise online per Zoom-Videokonferenz durchgeführt werden.